Von: administrator

Sehr häufig passiert es, dass die Biofeedback-Methode mit Bioresonanz verwechselt wird. Das scheint auf den ersten Blick auch nicht verwunderlich zu sein, klingen die Namen doch sehr ähnlich. Betrachtet man hingegen die Verfahren genauer, kann man feststellen, dass diese nichts miteinander zu tun haben.

Ein Überblick
Die Bioresonanztherapie, welche auf den deutschen Arzt Dr. Morell zurückzuführen ist, geht davon aus, dass Krankheiten als Folge gestörter körpereigener Schwingungen entstehen. Korrigiert man diese gestörten Schwingungen, so könnten auch die Beschwerden geheilt werden.
Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn entwickelte Dr. Morell ein Gerät, welches laut Ihrer Aussage die körpereigenen Schwingungen aufnehmen, umkehren und anschließend wieder zurückleiten kann. Damit sollen die Krankheiten dann "gelöscht“ werden (1,2).

Biofeedback wiederum misst konkret bekannte und objektiv messbare Körperparameter um sie dem Patienten zurückzumelden. Sinn und Zweck des Ganzen ist es dem Patienten diese Vorgänge und den Einfluss verschiedenster Faktoren auf diese sichtbar zu machen. Abschließend soll der Patient in die Lage versetzt werden diese Werte willentlich steuern zu können - nach Ende der Behandlung auch ohne Hilfe der Geräte. Zu keiner Zeit "sendet" das Biofeedbackgerät Schwingungen oder Ähnliches an den Körper (3).

Konkrete Unterschiede
Die Unterschiede der beiden Verfahren werden durch diese kurze Erläuterung schon deutlich. Abgesehen davon, dass in beiden Fällen technische Geräte verwendet werden sind die Unterschiede fundamental.

  1. Biofeedback ist eine aktive Methode (4). Es reicht für den Patienten nicht aus einfach anwesend zu sein, die bewusste und aktive Teilnahme ist erforderlich. Denn nur passiv ist eine Veränderung schwer bis unmöglich.
  2. In mehreren Quellen (1, 5) finden sich die Aussagen des Physikers Cap (7), welcher angebe, dass die physikalischen Grundlagen der Bioresonanz falsch sind. Die Methode scheint lediglich ein elektronisches Rauschen zu erzeugen. Parameter der Biofeedbacktherapie wie der Hautleitwert (8) oder das EMG (9) sind hingegen anerkannte, geprüfte physiologische Parameter.
  3. Der wichtigste Punkt: Eine Wirksamkeit der Bioresonanztherapie konnte in keiner aussagekräftigen Studie nachgewiesen werden (5,10). Im Gegenteil gibt es sogar 2 klinische Studien welche deutlich gegen eine Wirksamkeit sprechen (11,12). Wenngleich natürlich auch für Biofeedback nicht für alle Indikationen aussagekräftige Studien existieren so hat spätestens die Meta-Studie "Evidence-based practice in biofeedback and neurofeedback" von Yucha und Montgomery (9) gezeigt, dass die Methodik für vielerlei Störungsbilder effektiv ist.

Laut einem Bericht  der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V (1) widerspreche auch die grundlegende Idee den Erkenntnissen der Physik. So seien elektromagnetische Signale zwar Begleiterscheinungen von biologischen Prozessen, aber nicht verantwortlich für Lebensvorgänge im Organismus. Auch die Begleittexte der Gerätehersteller sind laut Cap (6) voller falscher Aussagen.

Die bereits erwähnte Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V  berichtet, dass Bioresonanz an sich eine harmlose Behandlung sei (auch wenn sie keine Wirksamkeit zeigt). Eine Gefahr könne aber entstehen, wenn sich Kranke auf die Wirkung verlassen und notwendige Behandlung dadurch versäumen. 2 Todesfälle durch die Nichtgabe von Insulin seien dokumentiert.

Fazit
Abschließen sei hier auch noch die Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (5) konkret erwähnt, welche vor dem Verfahren warnt und eindeutig Stellung dazu nimmt : „Die klinische Überprüfung in verblindeten kontrollierten Studien zeigte für beide Verfahren in der Diagnostik keine Korrelation mit den Ergebnissen der anerkannten, wissenschaftlich geprüften Methoden, und therapeutisch konnte keine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Unbrauchbare diagnostische und unwirksame therapeutische Verfahren verursachen nicht nur unnötige Kosten, sondern können bei Patienten mit potentiell bedrohlichen Allergien, wie Asthma oder Schockreaktionen auf Insektenstiche, Nahrungsmittel oder Medikamente, wirksame Behandlungen verhindern“


Grundquellen und Einzelnachweise:
1 Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Bioresonanztherapie. Online: https://www.gwup.org/inhalte/77-themen/komplementaer-und-alternativmedizin-cam/843-bioresonanz-therapie  [Abruf am: 25.04.2016]
2. Insight Instruments (2013). Bioresonanz und Biofeedback: Ein Vergleich. Online: http://www.biofeedback.co.at/news/artikel-zu-und-ueber-biofeedback/article/bioresonanz-und-biofeedback-ein-vergleich/  [Abruf am: 25.04.2016]
3. Europäische Biofeedback-Akademie (2016). Was ist Biofeedback? Online: http://www.biofeedback-akademie.com/was-ist-biofeedback/  [Abruf am: 25.04.2016]
4. Frank, D. L., Khorshid, L., Kiffer, J. F., Moravec, C. S., & McKee, M. G. (2010). Biofeedback in medicine: who, when, why and how?. Mental health in family medicine, 7(2), 85.
Artikel hier abrufbar (PubMed)
5. Wüthrich, B., & Frei, P. (2006). Bioresonanz–diagnostischer und therapeutischer Unsinn. Stellungsnahme der SGAI. Allergo J, 15, 338-343.
6. Cap F (1993) Bioresonanz: Diagnostik und Therapie. Vortrag im Rahmen einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Allergologie, ÖGD, Innsbruck (2.12.1993)
7. Cap F (1995) Bemerkungen eines Physikers zur Bioresonanz. Allergologie 18: 253-257
8. Boucsein, W. (2013). Elektrodermale Aktivität: Grundlagen, Methoden und Anwendungen. Springer-Verlag.
9. Yucha, C., & Montgomery, D. (2008). Evidence-based practice in biofeedback and neurofeedback. Wheat Ridge, CO: AAPB.
10.Medizin-Transparent (2014). Ist Bioresonanz mehr als esoterische Stromvergeudung? Online: http://www.medizin-transparent.at/ist-bioresonanz-mehr-als-esoterische-stromvergeudung#ref1 [Abruf am: 25.04.2016]
11.Schöni MH, Nikolaizik WH, Schöni-Affolter F. Efficacy trial of bioresonance in
children with atopic dermatitis. Int Arch Allergy Immunol. 1997
Mar;112(3):238-46.
12. Kofler et al. (1996) Bioresonanz bei Pollinose; Allergologie, Jahrgang 19, Nr. 3/1996, S 114-122




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