Biofeedback bei Morbus Raynaud

Morbus Raynaud wird umgangssprachlich auch oft als Weißfingerkrankheit bezeichnet. Sie zeigt sich durch Taubheit, Schmerzen und Kälte in den Fingern und Zehen und kann sich auf die ganze Hand und den Fuß und in seltenen Fällen auch auf das gesamte Gesicht ausdehnen. Frauen sind von dieser Krankheit 5-mal häufiger betroffen als Männer.

Die Behandlung von Morbus Raynaud mit Biofeedback

Ganz allgemein ist das Ziel der Morbus Raynaud Behandlung mit Biofeedback das Erlernen der Fähigkeit die Hände willentlich zu erwärmen1. Angewandt wird dabei meist ein Fingersensor, welche die Temperatur misst und am Bildschirm rückmeldet. Die Temperatur kann dabei als schlichte Kurve dargestellt werden oder es werden Animationen und Belohnungsvideos gezeigt.

Besonders die Animationen bieten hier eine schöne Form Rückmeldung – so kann z.B. ein Weg vorgegeben werden, auf dem sich der Patient nur dann weiter fortbewegt, wenn die Temperatur steigt. Auch andere Entspannungsfeedbacks (wie z.B. Atemtraining) können ergänzend eingesetzt werden.

Zunächst erfolgt das Training der Handerwärmung unter Entspannungsbedingungen. Danach werden die Übungen bei Vorgabe von Kältereizen fortgeführt2 (Raumtemperatur, kalte Gegenstände). Mittels Handerwärmungsübungen als Heimtraining ohne Feedback und subjektives Einschätzen der Temperaturveränderung wird die Dauerhaftigkeit des Therapieerfolgs gewährleistet.

Der Trainingseffekt kann sich (und das ist auch zu erwarten) dann auf andere Extremitäten (wie die Füße ausweiten).

Wirksamkeit, Tipps und Quellen

Im Wirksamkeitsreview der Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback wurde die Anwendung von Biofeedback bei Morbus Raynaud mit der zweithöchsten Wirksamkeitsstufe versehen1. Die langfristige Erfolgsrate liegt bei 70%3.

Temperatur-Biofeedback wird von vielen Therapeuten in der Behandlung von Morbus Raynaud angewandt. Im Schnitt wird in der Literatur von 5-10 Sitzungen berichtet, einzelne Personen können aber auch zwischen 8-16 Sitzungen (oder mehr) benötigen um das Erwärmen der Hände zu erlernen2. Ziel ist eine anhaltende Reduktion der Anfallshäufigkeit und Intensität um die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass Temperatur-Biofeedback eine größere Reduktion der Symptom-Häufigkeit bewirkt, als EMG-Biofeedback oder autogenes Training4,5. Biofeedback kann aber auch angewandt werden um andere Techniken wie eben z.B. das Autogene Training zu unterstützen.

Tipps aus der Praxis
Besonders die Temperatur in den Händen wird durch Vorstellungsbilder stark beeinflusst. Welche inneren Bilder wirken, kann während der Biofeedbackmessung ausprobiert werden um wirksame Bilder zu identifizieren. Während bei manchen Patienten klassische Wärmebilder (zB. warmer Sand, Feuer, Sonne, Heizkörper) ausreichen, funktionieren bei anderen eher emotional warme Bilder (z.B. von geliebten Menschen oder Haustieren) oder Erinnerungen an persönliche positive Ereignisse (z.B. Urlaub, beruflicher Erfolg).

 

Quellen:

1 G. Tan, F. Shaffer, R. Lyle, & I. Teo (Eds.). Evidence-based practice in biofeedback and neurofeedback (3rd ed.). Wheat Ridge, CO: Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback.

2 Karavidas, M. K., Tsai, P. S., Yucha, C., McGrady, A., & Lehrer, P. M. (2006). Thermal biofeedback for primary Raynaud’s phenomenon: A review of the literature. Applied psychophysiology and biofeedback, 31(3), 203-216.

3 Ford, M. R. (1982). Biofeedback treatment for headaches, Raynaud's disease, essential hypertension, and irritable bowel syndrome: A review of the long-term follow-up literature. Biofeedback and Self-regulation, 7(4), 521-536.

4 Freedman, R. R., & Ianni, P. (1983). Role of cold and emotional stress in Raynaud’s disease and scleroderma. British Medical Journal, 287, 1499–1502.

5 Freedman, R. R., Sabharwal, S. G., Ianni, P., Desai, N., Wenig, P., & Mayes, M. (1988). Nonneural beta-adrenergic vasodilating mechanism in temperature biofeedback. Psychosomatic Medicine, 50, 394–401.